Sucht im Alter – blinde Flecken, neue Perspektiven
Am 27. und 28.Oktober 2026 fand im Haus der Technik in Essen die 65. DHS Fachkonferenz Sucht unter dem Motto „Öffentlicher Raum & Verborgene Welten" statt.
Ein Forum am Dienstag befasste sich mit dem Thema „Sucht im Alter – blinde Flecken, neue Perspektiven“. Auf Basis des aktuellen Epidemiologischen Suchtsurveys (ESA 2024) stellte Regina Hollweck vom Institut für Therapieforschung Zahlen zur Altersgruppe 65 bis 85 Jahren vor. Diese Altersgruppe erschien bislang nicht in den Studien. Erstmalig ist eine differenzierte Betrachtung des Umgangs mit Alkohol, Nikotin und Medikamentenkonsum möglich.
Nicht erfasst wurden allerdings Heimbewohner:innen. Die Gruppe älterer Menschen unterscheidet sich bei Alkohol- und Nikotinkonsum nicht wesentlich von den jüngeren Gruppen. Auch im Bereich der illegalen Substanzen nähern sich Prävalenzen dem Durchschnitt aller Teilnehmenden an, wenn auch noch mit geringerem Umfang. Deutlich abweichend ist der kritische Medikamentenkonsum, hier vor allem bei Frauen über 65 Jahren.
Hierzu gab Patrick Roser, Ärztlicher Leiter und Chefarzt der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin an der LVR-Universitätsklinik Essen, ein Fallbeispiel einer 62-jährigen Frau. Ihr 30 Jahre währender Konsum von Benzodiazepin begann mit einer hausärztlichen Verschreibung und endete mit einem lebensbedrohlichen Kollaps und einer mehrmonatigen Entgiftungsphase. Ein weiteres Fallbeispiel verdeutlichte, dass die derzeitigen Pflegeeinrichtungen und Seniorenheime überfordert sind, wenn ältere Personen mit Substitutionstherapie untergebracht werden müssen. Hier bestehen deutliche Versorgungslücken.
Die Kampagne „Stark bleiben. Suchtfrei alt werden“ war an beiden Tagen mit einem Stand im Foyer vertreten und erfreute sich reger Nachfrage. Großes Interesse fand unter anderem das Materialheft zum Handlungsleitfaden „Suchtvorbeugung im Alter“, das - ebenso wie die Broschüren für Betroffene und Angehörige - weiterhin bestellt werden kann.
Außerdem waren Vertreter:innen aller Landesfachstellen und der Geschäftsstelle der Suchtkooperation NRW mit einen Infostand vertreten, der im Rahmen der Veranstaltung an beiden Tagen viel Zulauf hatte.
Materialbestellung