20 Jahre Cannabis-Beratung "Quit the Shit"
Weniger kiffen, den Konsum besser kontrollieren oder ganz aufhören: Viele Cannabis-Konsument:innen nehmen sich das vor und merken dann, wie groß die Herausforderung im Alltag ist. Seit zwei Jahrzehnten kooperiert das Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit (BIÖG) mit einem Netzwerk kommunaler Suchtberatungseinrichtungen bei "Quit the Shit". Mehr als 14.000 Menschen nutzten das Angebot seit dem Start der Kooperation im Jahr 2006.
Für Menschen, die ihren Konsum verändern wollen, bietet "Quit the Shit" niedrigschwellige Unterstützung. Das kostenlose Online-Programm ist Teil des Suchtpräventionsangebots www.drugcom.de des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit. Bundesweit unterstützen derzeit zehn Suchtberatungseinrichtungen das Netzwerk. Jedes Mitglied der multiprofessionellen Beratungsteams verfügt über eine psychotherapeutische oder Beratungsausbildung sowie Erfahrungen in der Online-Beratung. In NRW bieten die Standorte Düren, Paderborn und Recklinghausen Beratung im Rahmen von "Quit he Shit" an. Ihre Beratungsleistung wird mit Mitteln des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW über die Landesfachstelle Prävention gefördert.
In der Beratung
Zum Angebot gehören ein digitales Konsumtagebuch, wöchentliche Rückmeldungen durch eine Beratungsperson sowie ein Einstiegs- und Abschlussgespräch per Chat. Die regelmäßige Dokumentation – auch konsumfreier Tage – soll helfen, Konsummuster zu erkennen und Veränderungen sichtbar zu machen.
Eine teilnehmende Person aus Paderborn fasst es so zusammen:
Es fühlt sich gut an, wieder am Leben teilzunehmen und mich zu spüren statt zu betäuben… Danke, dass ihr da seid.
Andreas Schön, Sozialpädagoge und Suchttherapeut in Düren:
Ich bin seit 20 Jahren als Berater tätig. ‚Quit the Shit‘ bedeutet für mich den Einstieg in den Ausstieg. Ich bin nach wie vor fasziniert davon, wie viel Veränderung innerhalb eines doch relativ überschaubaren Zeitraums möglich ist.
Aus Recklinghausen heißt es:
Die Nachfrage ist 2025 konstant hoch geblieben; die Anzahl der tatsächlich erfolgten Aufnahmen sogar leicht gestiegen. Viele meldeten sich aus langjährig bestehender Abhängigkeit heraus, darunter User mit psychischen Mehrfachdiagnosen. Auf der anderen Seite gab es viele User, die das Ausstiegsziel allgemein formulierten: keine Abhängigkeit mehr, bessere Konzentration, verbesserter Antrieb. Häufige Gründe waren das Erleben von Überforderung durch Mehrfachbelastung im Beruf, in der Familie, in der Versorgung betagter Eltern.
Hilfsangebote
- Mit dem Online-Selbsttest Cannabis Check kann der individuelle Cannabis-Konsum überprüft werden
- Anonyme Chat-Beratung (Montag, Dienstag, Donnerstag: 15:00-17:00 Uhr und Mittwoch, Freitag: 13:00-15:00 Uhr) und anonyme E-Mail-Beratung für Ratsuchende:
https://www.drugcom.de/beratung-finden/e-mail-beratung-bei-fragen-zu-drogen-und-abhaengigkeit/ - Das BIÖG-Beratungstelefon zur Suchtvorbeugung, Tel. 0221 89 20 31, bietet persönliche Beratung und informiert über Hilfs- und Beratungsangebote vor Ort (erreichbar Mo. – Do. von 10 bis 22 Uhr und Fr. – So. von 10 bis 18 Uhr, Preis für Gespräche in das Kölner Ortsnetz)
- DigiSucht: Digitale Suchtberatung für Betroffene und Angehörige kostenlos und anonym
Präventionsangebote
- Online-Portal für alle Zielgruppen: www.infos-cannabis.de
- Bundesweites Präventionsangebot für weiterführende Schulen: der Grüne Koffer
- SPecht – Suchtprävention an berufsbildenden Schulen in NRW