Suchtprävention in der superdiversen Gesellschaft

03.09.2024

Suchtprävention arbeitet zielgruppenspezifisch und orientiert sich an gesellschaftlichen Entwicklungen. Im Hinblick darauf weitet sich die Perspektive auf eine superdiverse Gesellschaft, denn Suchterkrankungen sind weit verbreitet und betreffen Menschen in allen sozialen Gruppierungen. Auch die Fachkräfte, die in der Suchtprävention tätig sind und in den angrenzenden Bereichen wie Medizin, Kinder- und Jugendhilfe, Schule, Seniorenhilfe, sind divers und bringen ihre Geschichten ein.

Was bedeutet überhaupt "superdiverse Gesellschaft" und welche damit verbundenen Chancen und Herausforderungen gehen damit einher?

"Diversität" bedeutet Vielfalt von Menschen und Lebensformen, darunter fallen Herkunft, Aussehen, Religion, Sprache, Alter, Status, Behinderungen, Geschlechteridentität (gender) und sexuelle Orientierung. Der Sozial- und Erziehungswissenschaftler Aladin el-Mafalaani geht in seinem Buch "Das Integrationsparadox" noch einen Schritt weiter, indem er die deutsche Gesellschaft als "superdivers" beschreibt – Menschen lassen sich nicht einfach in eine Schublade stecken. Die Gesellschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gewandelt, durch demografischen Wandel, Zuzug (Arbeitsmigration, Flucht) und Krisen (Corona, Klima, Kriege, Digitalisierung) – gleichzeitig ist sie offener geworden für individuelle Lebensentwürfe. Machtverhältnisse und Partizipation geraten dadurch ebenfalls in einen Prozess der Veränderung. Notwendig ist eine Kultur, die geprägt ist von Offenheit und Inklusion, von Sprach- und Streitfähigkeit.

Die Suchtprävention ist traditionell an verschiedenen Zielgruppen orientiert, um ihre Wirksamkeit zu entfalten:

  • Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senior:innen
  • Eltern
  • Mädchen und Jungen/Frauen und Männer
  • Suchtbelastete Lebensgemeinschaften
  • LGBTQIA+
  • Menschen mit internationaler Geschichte
  • pädagogische Fachkräfte
  • unspezifisch auf Basis der Förderung von Lebenskompetenzen ausgerichtet
  • spezifisch auf Substanzen bzw. Verhaltenssüchte ausgerichtet wie z.B. Alkohol, Nikotin, Cannabis, exzessive Mediennutzung.

In allen diesen Zielgruppen gibt es Menschen unterschiedlichen Alters, Religionen und Sprachen, ebenso wie bei den pädagogischen Fachkräften selbst. Identitäten sind zunehmend komplex und erfordern häufig die Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbstbild und Wünschen für das eigene Leben. Das spiegelt sich wider Kitas, Klassenzimmern und Kollegien.

Doch gibt es Personengruppen, die mit den bestehenden Angeboten der Suchtprävention nicht erreicht oder sogar ausgegrenzt werden? Gibt es Faktoren, die die Suchtprävention bei der Entwicklung von Methoden nicht ausreichend berücksichtigt?

Beispiele

  • Sehen sich migrantisch gelesene Menschen repräsentiert in Materialien und Texten?
  • Werden ihre Suchtgeschichten gehört?
  • Welchen Einfluss haben Diskriminierung bzw. Rassismus und Traumata auf die psychische Gesundheit und Substanzkonsum?
  • Vorbehalte gegenüber dem Hilfesystem, mangelndes Vertrauen und schlechte Erfahrungen im Gesundheitssystem bei Personen mit internationaler Geschichte
  • Unterschiedliches Verständnis von Sucht als Krankheit oder Suchterkrankung als „Strafe Gottes“, Substanzkonsum als Selbstmedikation oder um Stress zu bewältigen
  • Unwissenheit über die Angebote des Suchthilfesystems von Prävention über Beratung bis Behandlung
  • Rollenbilder: "Ich schaff das allein", "Ich brauche keine Hilfe", "Ich bin nicht krank", "Was sollen andere von mir denken", "Ich muss funktionieren", "mir steht keine Hilfe zu"
  • Selbststigmatisierung und Scham
  • Unwissenheit, fehlende Flexibilität und Achtsamkeit für individuelle Suchtgeschichten auf Seiten sozialpädagogischer, medizinischer, therapeutischer und pflegender Fachkräfte
  • Starre Strukturen im Hilfesystem – "Menschen müssen sich ans Hilfesystem anpassen, nicht das Hilfesystem an die Menschen"
  • Fehlende Ambiguitätstoleranz – gemeint ist damit das Aushalten von Unterschiedlichkeiten und Uneindeutigkeiten auf allen Seiten

All das können Stolpersteine sein, um Menschen zu erreichen und einen respektvollen, diskriminierungsfreien Umgang auf Augenhöhe anzustreben.

Dagmar Domenig, Herausgeberin des Lehrbuchs "Transkulturelle und transkategoriale Kompetenz" formuliert es folgendermaßen:

"Das notwendige Sich-Einlassen auf transkategoriale Zwischenräume, die große Herausforderung in der Begegnung mit der Vielfalt komplexer Identitäten und das Sich-nicht-verlassen-Können auf allgemeingültige Muster verunsichert." (Domenig 2021)

Anknüpfungspunkte für eine offene Haltung könnten sein:

  • Haltung: geprägt von Selbstreflexivität und Empathie, Zuhören, Nachfragen – nichts für selbstverständlich nehmen, Anstreben personenzentrierter Versorgung
  • Sprache: Sprachmittler:innen oder Übersetzer:innen hinzuziehen, einfache Sprache, entstigmatisierende Sprache
  • Familie: Familiengeschichten, Fluchtgeschichten, Brüche – Einbezug in therapeutische Prozesse, Themen zulassen
  • Ernährung: vegan, vegetarisch, halal, angepasst an Fastenzeiten (orthodoxe Christen, Muslime)
  • Repräsentation: Leitbild der Einrichtung, Homepage, Materialien, Mitarbeiter:innen

Neben der Verhaltensprävention gibt es verhältnispräventive Strukturen, die das Hilfesystem stärken und helfen, Suchterkrankungen zu verhindern: Menschen in prekären Lebensverhältnissen zu unterstützen.

Dazu zählen beispielsweise

  • Qualifizierte Bildung
  • Sicherer Aufenthaltsstatus
  • Gesundheitsversorgung und Prävention
  • Obdachlosigkeit – "housing first", Krankenversicherung

 

Das Ziel muss sein, alle Menschen zu erreichen und einzubeziehen, anstatt zu stigmatisieren und auszugrenzen.

 

Literatur

El-Mafalaani, Aladin: „Das Integrationsparadox“. Köln 2020

Domenig, Dagmar: „Transkulturelle und transkategoriale Kompetenz. Lehrbuch zum Umgang mit Vielfalt, Verschiedenheit und Diversity für Pflege-, Gesundheits- und Sozialberufe“. Göttingen 2021

 

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