Infobrief "Entstigmatisierung"
Mit dem vierten Infobrief für Fachkräfte in der Sucht- und Drogenhilfe sowie angrenzender Professionen rückt die Geschäftsstelle der Suchtkooperation NRW das Thema "Entstigmatisierung im Kontext von Abhängigkeitserkrankungen" in den Mittelpunkt.
Stigmatisierung schadet den Betroffenen und verstärkt Substanzgebrauchsstörungen sowie Verhaltenssüchte. Das Hilfesuchverhalten wird beeinträchtigt, führt zu schlechterer Behandlung und verstärkt die sozialen und gesundheitlichen Folgen der Erkrankung. Das gilt sowohl für die individuellen Folgen als auch für die gesellschaftlichen, einschließlich der öffentlichen Ausgaben für Gesundheitsleistungen.
Substanzgebrauchsstörungen und abhängige Verhaltensweisen ohne Substanzbezug sind komplexe Krankheiten, die nicht durch mangelnde Willenskraft oder Charakterschwäche verursacht sind. Unabhängig von Alter, Geschlecht, sozialer Identität, gesellschaftlichem Status oder Bildungsniveau kann die Erkrankung jeden Menschen treffen.
Um Entstigmatisierung voranzutreiben ist es wichtig, Vorurteile und Diskriminierung abzubauen. Da Sprache eine zentrale Rolle bei der Ausbildung von Überzeugungen und Gedanken spielt, ist es fundamental, schädliche Stereotype und Vorannahmen nicht zu reproduzieren. Im Umkehrschluss verändert eine wissenschaftlich korrekte, wertschätzende Sprache die allgemeine Wahrnehmung und kann sich positiv darauf auswirken (Volkow, Gordon & Koob, 2021).
Selbst Begriffe wie „Sucht“ oder „Co-Abhängigkeit“, die im Bereich der Suchthilfe und Suchtprävention geläufig sind, können einer kritischen Betrachtungsweise unterzogen werden. Nicht zu vernachlässigen ist der Fakt, dass die Bedeutung von Sprache sich je nach Kontext, Zeitgeschehen und Sprecher:in und Empfänger:in ändern kann. Für die Beurteilung von Sprache sind die Fragen „Wer ist mein Gegenüber?“ und „Wo verwende ich welche Wortwahl?“ von Bedeutung.
Der Infobrief bietet auch Fachkräften in der Suchtprävention Anregungen, wie sie stigmaarm oder gar stimafrei handeln können.
Download Infobrief "Entstigmatisierung":
https://suchtkooperation.nrw/service/aktuelles/infobrief-2024-entstigmatisierung