Gedanken zum Tag der verstorbenen Drogengebrauchenden

20.07.2023

Jedes Jahr am 21. Juli wird den verstorbenen Drogengebrauchenden gedacht. Die aktuelle Zahl liegt bei 1990 Menschen, die im vergangenen Jahr am Konsum illegaler Substanzen starben. Allein in NRW waren es 703 Menschen. Dazu kommen bundesweit ca. 74.000 Menschen, die an den Folgen von Alkoholkonsum versterben und ca. 130.000 Menschen durch Folgeerkrankungen des Rauchens. Dem stehen angekündigte Kürzungen für die Suchthilfe und Suchtprävention gegenüber.

Thema im Mittagsecho von WDR 5

Lea Würzinger, Projektkoordinatorin der Landeskampagne „Sucht hat immer eine Geschichte“, sprach mit Moderator Andreas Bursche über Angebote der Suchtprävention in Nordrhein-Westfalen, Beobachtungen innerhalb der Gesellschaft zu Substanzkonsum und den aktuellen Herausforderungen für die Suchthilfe.

Der Beitrag im Mittagsecho ist unter https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5 nachzuhören.

Innerhalb des Interviews konnten nicht alle wichtigen Aspekte angesprochen und diskutiert werden. Deshalb greift dieser Artikel ausgewählte Fakten und Hintergründe zu diesem Bereich der Gesundheitsförderung auf.

Todesfälle aufgrund von Substanzkonsum

Das Rauschgiftlagebild des Landeskriminalamtes erfasste für das Jahr 2022 623 Menschen als „Rauschgifttote“. Jede:r Verstorbene aufgrund von Substanzkonsum ist zu viel und es muss das oberste Ziel der Suchthilfe sein, dies zu verhindern.

Doch jährlich versterben 74.000 Menschen durch die Folgen des Alkoholkonsums. 130.000 Menschen durch Folgeerkrankungen des Rauchens. Diese Zahlen werden häufig vergessen, gar ignoriert – vielleicht, weil es sich per Gesetz um legale Substanzen handelt und dadurch eine scheinbare „Gesellschaftstauglichkeit“ suggeriert wird? Alkohol und Rauchprodukte sind überall in der Gesellschaft sichtbar. Zwar sinken die Konsumzahlen junger Menschen über die letzten Jahre (vgl. Drogenaffinitätsstudie), doch erschwert die Normalität dieser „Alltagsdrogen“ den Aufbau eines sensiblen und gesundheitsbewussten Umgangs enorm. Darüber hinaus ist es wichtig zu beachten, dass es sich bei Personen mit einer Suchterkrankung bzw. Substanzkonsumstörung um schwerstkranke oder traumatisierte Menschen handelt, die zusätzlich unter der Stigmatisierung ihrer Krankheit leiden.

Suchtprävention in NRW

Suchtprävention soll universell, am besten vor dem ersten Konsum stattfinden und wiederholend in der Lebensgeschichte eines Menschen verankert sein, d.h. vom Elementarbereich über Schule, Ausbildung oder Studium, in Betrieben bis hin zum Übergang ins Rentenalter. Nur so kann Suchtprävention als Baustein der Gesundheitsförderung nachhaltig wirksam sein. Suchtprävention trägt langfristig zu mehr Lebensqualität und einer höheren Lebenserwartung bei. Sie kann dazu beitragen, spätere Krankheitskosten zu vermindern. Derzeit arbeiten in NRW ca. 150 Präventionsfachkräfte in den Kreisen und Kommunen. Bei einer Einwohnerzahl von rund 17 Millionen Menschen macht dies einen Betreuungsschlüssel von 1:113.000.

Multiplikator:innen-Ansatz

Der Multiplikator:innen-Ansatz fängt die angespannte Lage etwas auf: Schulsozialarbeiter:innen, Lehrkräfte, Erzieher:innen nehmen an Fortbildungen teil, um mit Kindern, Jugendlichen und Eltern zum Thema zu arbeiten und Kontakt zum Hilfesystem zu ermöglichen. Die Angebote MOVE – Motivierende Kurzintervention mit konsumierenden Jugendlichen oder Gesund aufwachsen – Prävention für den Elementarbereich beispielsweise sind erfolgreiche Präventionsprogramme. Hierbei ist zu beachten, dass auch diese Systeme – Kindertagesbetreuung und Schulen – durch mannigfaltige An- und Herausforderungen überlastet sind.

Im Jahr 2022 fanden über 7.000 präventive Maßnahmen in NRW statt. 85 % richteten sich an die Zielgruppe bis 27 Jahre. Die Hauptthemen waren Alkohol, Cannabis, Tabak und die Exzessive Mediennutzung. Im Durchschnitt erreichten die Präventionsfachkräfte des Landes NRW auf diesem Weg ca. 25.000 Multiplikator:innen und 135.000 Endadressat:innen.

Geplante Kürzungen des Bundesgesundheitsministerium geben zu denken

Die angedachten Kürzungen von rund 4 Millionen Euro würden massive Auswirkungen auch für die Suchtprävention bedeuten. Einerseits ist die gewachsene Arbeit der letzten Jahrzehnte betroffen. Andererseits stehen neue Herausforderungen an wie das Drug Checking oder die Cannabislegalisierung – für die zusätzliche Finanzmittel benötigt werden.

Die Landesfachstelle Prävention NRW begrüßt die Entwicklung für mehr Konsumierendenschutz. Doch Suchtprävention kann nur so viel leisten, wie sie finanziert und wertgeschätzt wird. Im letzten Jahr wurden beispielsweise über 5000 Euro pro Kopf in Deutschland für medizinische Versorgung ausgegeben – für die Suchtprävention waren weniger als 10 Euro (vgl. Jahrbuch Sucht 2023).

Von Verhaltens- und Verhältnisprävention bis zur Förderung der Lebenskompetenzen

Jeder Mensch hat das Recht auf ein suchtfreies Leben. Hierfür setzt die Suchtprävention zum überwiegenden Teil auf Maßnahmen, die das persönliche Verhalten betreffen – also beispielsweise Lebens- und Konsumkompetenz, Motivation zur Verhaltensänderung. Doch auch die Verhältnisprävention trägt maßgeblich zur Gesunderhaltung und der psychosozialen Balance innerhalb der Gesellschaft bei, wie das Suchtdreieck zeigt. Dabei geht es um das Zusammenspiel aus Gesellschaft, Persönlichkeit und zugänglichen Substanzen.

Ein Positivbeispiel der letzten Jahre ist hierfür das Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden als verhältnispräventive, strukturelle Maßnahme.

Die Landeskampagne "Sucht hat immer eine Geschichte" steht für die ursachenorientierte Sucht- und Drogenpolitik des Landes NRW und prägt die nordrhein-westfälische Strategie zur Suchtvorbeugung. Unter ihrem Dach vereinen sich Module für die ganze Lebensspanne: von Angeboten für den Elementarbereich bis hin zur Suchtprävention im Alter.

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