Landes­koordinierungs­stellefür Sucht­vorbeugungin NRW

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Schlaf- und Beruhigungsmittel

Ein Schlafmittel oder Hypnotikum (von griech. "Hypnos", dem griechischen Gott des Schlafes) ist ein Stoff, der den Schlafvorgang fördert. Dabei gibt es fließende Übergänge hin zu den Beruhigungsmitteln (Sedativa) und den Betäubungsmitteln (Narkotika). Schlafmittel basieren auf synthetisch hergestellten oder natürlich vorkommenden, pflanzlichen Wirkstoffen. Pflanzliche Schlafmittel sind in der Regel rezeptfrei erhältlich. Die chemisch-synthetischen Schlafmittel lassen sich in mehrere Gruppen einteilen. Stärker wirksame synthetische Schlafmittel sind verschreibungspflichtig.

Ein Beruhigungsmittel (Sedativum) soll zur Dämpfung bestimmter Funktionen des zentralen Nervensystems beitragen. Die Bezeichnung stammt ab vom Begriff Sedierung (von lat. sedare "beruhigen"). In der Medizin finden sie insbesondere in der Intensivmedizin Anwendung.

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Beruhigende Wirkung

Beruhigungsmittel werden insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit innerer Unruhe oder mit krankhaften Erregungszuständen eingesetzt. Sie wirken in der Regel angstlösend. Bei manchen Menschen kommt es auch zur Aufhellung einer depressiven Verstimmung. Zugleich wirken sie leicht beruhigend, ohne dabei müde zu machen.


Gesteigerte Gefahr

Die Wirkung der Tranquilizer kann jedoch zu einer Gefahr werden: Durch die Angstlösung kann es zu leichtsinnigen Verhaltensweisen im Straßenverkehr oder am Arbeitsplatz kommen. Bei depressiven Menschen kann das Hemmnis einer möglichen Selbsttötung schwinden.
In Verbindung mit Alkohol oder Opioiden kann die Einnahme der Tranquilizer lebensbedrohlich sein. Bereits das Doppelte der empfohlenen Dosis kann genügen, um das Atemzentrum stillzulegen. Darüber hinaus ist unvorhersehbar, wann die tödliche Menge erreicht ist, da diese Grenze bei jedem Menschen anders liegt.


Langsamer Abbau

Eine gefährliche Eigenschaft der Benzodiazepine stellt die allmähliche Anhäufung im Körper dar. Die Wirkstoffe werden - mit wenigen Ausnahmen - nur sehr langsam aus dem Körper ausgeschieden. Nach längerer Einnahme dauert es etwa drei Wochen, bis im Körper kein Wirkstoff mehr chemisch nachweisbar ist. Das bedeutet, dass bei täglicher Einnahme die neue Dosis zur Restdosis der Vortage hinzukommt und damit der Arzneimittelspiegel stetig ansteigt. Viele Patientinnen und Patienten haben eine falsche Vorstellung davon, welche Menge des Medikaments gerade in ihrem Körper wirkt.


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Schnelle Entwicklung einer Abhängigkeit

In kurzer Zeit kann sich eine seelische Abhängigkeit entwickeln. Bei versuchsweisem Absetzen kann es zu Entzugsanzeichen wie Kopfschmerz, Gereiztheit, Unruhe und Angst kommen. Nach erneuter Einnahme des Medikaments verschwinden die Beschwerden wieder. Die Abhängigkeit von Tranquilizern ist nicht automatisch mit einer Dosissteigerung verbunden.


Verantwortung der Ärzteschaft

Obwohl das Verschreibungsverhalten der Ärzteschaft im Rahmen der gesetzlichen Krankenver­sicherung zurückhaltender geworden ist, nimmt der Anteil der privat verordneten Medikamente seit Jahren zu.
Von den Frauen, denen Benzodiazepine verordnet werden, bekommen 21% mehr als für zwei Monate ausreichend wäre, bei Männern sind es 15,4%. Bei diesen Personen besteht erhebliche Gefahr einer Abhängigkeitsentwicklung (Glaeske/Schicktanz 2012). Die Verordnungsgrößen bei den ebenfalls abhängig machenden Schlafmitteln der Gruppe der Z-Drugs unterscheiden sich kaum. Auch hier besteht die erhebliche Gefahr einer Abhängigkeitsentwicklung (Glaeske/Schicktanz 2012).


Bestimmungsgemäßer Gebrauch

Im Unterschied zu anderen Suchtmitteln werden diese Arzneimittel bei entsprechender Indikation verschrieben. Sie sollen bei der Behandlung oder Vermeidung von Krankheiten helfen, nur dazu sind sie zugelassen. Jedoch besitzen etwa 4-5% aller verordneten und ca. 15% aller verkauften Arzneimittel ein eigenes Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial. Die Gefahr des Arzneimittelmissbrauchs und der Arzneimittelabhängigkeit sind daher wichtige unerwünschte Wirkungen  der Medikamenteneinnahme.
Zur Reduzierung der Gefahr einer Abhängigkeitsentwicklung ist die strikte Beachtung der Anwendungshinweise der verordneten Arzneimittel unerlässlich. Ein Medikament sollte nur solange eingenommen werden, solange die medizinische Indikation besteht.



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