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Pathologisches Glücksspielen

Glücksspiele

Glücksspiele sind definiert als Spiele, bei denen durch den Einsatz von Geld auf den Eintritt eines (vorwiegend) zufallsbedingten Ereignisses (z.B. die richtigen Zahlen beim Lotto, das richtige Ergebnis eines Sportereignisses) gehofft wird. Glücksspiele sind z.B., Sportwetten, Lotto, Geldspielautomaten, Roulette oder Poker.

Der Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) definiert Glücksspiel wie folgt (§ 3 Abs. 1):
"Ein Glücksspiel liegt vor, wenn im Rahmen eines Spiels für den Erwerb einer Gewinnchance ein Entgelt verlangt wird und die Entscheidung über den Gewinn ganz oder überwiegend vom Zufall abhängt. Die Entscheidung über den Gewinn hängt in jedem Fall vom Zufall ab, wenn dafür der ungewisse Eintritt oder Ausgang zukünftiger Ereignisse maßgeblich ist. Wetten gegen Entgelt auf den Eintritt oder Ausgang eines zukünftigen Ereignisses sind Glücksspiele. Sportwetten sind Wetten zu festen Quoten auf den Ausgang von Sportereignissen oder Abschnitten von Sportereignissen. Pferdewetten sind Wetten aus Anlass öffentlicher Pferderennen und anderer öffentlicher Leistungsprüfungen für Pferde."

Abgegrenzt werden können Geschicklichkeits- und Gewinnspiele. Bei Geschicklichkeitsspielen ist der Ausgang nicht primär vom Zufall abhängig, sondern ganz bzw. überwiegend von den Fähigkeiten der spielenden Person (z.B. Schach oder Darts). Als Gewinnspiele werden Spiele definiert, bei denen man gar keinen oder nur einen geringen Einsatz erbringen muss (z.B. Telefongebühr), um Geld- oder Sachpreise zu gewinnen.

Geschichte des Glücksspiels

Glücksspiele wurden bereits ca. 3.000 Jahre v. Chr. in China und auf dem Gebiet des alten Mesopotamien, heute vor allem irakisches Staatsgebiet, gespielt. Auch bei den Römern galten Glücksspiele, insbesondere Würfelspiele, als unerlässlicher Bestandteil gesellschaftlicher Unterhaltung. Bereits im  Mittelalter gab es Kartenspiele in Europa, die als Glücksspiele genutzt wurden. Das Roulettespiel wurde im 17. Jahrhundert in Frankreich erfunden. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gilt es als ein wesentliches Glücksspiel-Angebot der neu entstehenden Spielbanken in Europa. Ende des 19. Jahrhunderts wurde in den USA der "Einarmige Bandit" (Slot-Machine) erfunden. Als Erfinder gelten die Brüder Adolphe und Arthur Caille und der deutsche Einwanderer Karl-August Fey.

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Zahlen und Fakten

Ein großer Teil der Bevölkerung in Deutschland spielt keine Glücksspiele: Unter den 16- bis 65-Jährigen lag in 2013 die 12-Monats-Prävalenz für die Teilnahme an einem oder mehreren Glücksspielen bei 40,2% (BZgA 2014).

Im Jahr 2013 betrugen die Umsätze auf dem deutschen Glücksspielmarkt 33,4 Mrd. Euro (ohne Soziallotterien, Sportwetten und Online-Glücksspiele von privaten und ausländischen Anbietern). Gewerbliche Geldspielautomaten sind der größte Umsatzträger im legalen deutschen Glücksspielmarkt. Ihr Anteil am Gesamtumsatz betrug 2013 57%. Abzüglich der Gewinnauszahlung verblieb der Branche ein Kasseninhalt von 4,37 Mrd. Euro. Um diesen Betrag sind die Glücksspielenden ärmer und die Glücksspielanbieter reicher. Die Erträge aus Geldspielgeräten in Spielhallen sind in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen: seit 2006 um 86% (Meyer 2015).

Der Staat verdiente 2013 durch glücksspielbezogene Abgaben über 3,2 Mrd. Euro. Nicht enthalten sind hierin Steuern und Abgaben aus dem Betrieb der gewerblichen Geldspielgeräte.


Rechtliches

Die Veranstaltung von Glücksspielen ist in Deutschland laut § 284 Strafgesetzbuch generell verboten. Wer Glücksspiele veranstalten will, benötigt hierfür eine behördliche Erlaubnis.

Glücksspiele werden nicht als normale Konsumgüter betrachtet. Vielmehr handelt es sich um sog. demeritorische Güter. Dies sind Güter, die zwar gesellschaftliche Bedürfnisse befriedigen, jedoch aufgrund ihrer negativen Konsequenzen als nicht verdienstvoll gelten. Sie unterliegen daher einer stärkeren staatlichen Regulierung. In Deutschland ist der Glücksspielmarkt seit 2008/2012 durch den "Staatsvertrag zum Glücksspielwesen in Deutschland" geregelt.

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Abhängigkeit vom Glücksspielen

Pathologisches Glücksspielen, umgangssprachlich auch als Glücksspielsucht bezeichnet, wird den nicht stoffgebundenen Süchten zugeordnet. Die Kennzeichen sind andauerndes, wiederkehrendes und oft noch gesteigertes Glücksspielen trotz gravierender negativer Folgen im persönlichen, familiären oder beruflichen Umfeld. Glücksspielsucht ist seit 2001 von den Spitzenverbänden der Rentenversicherungen und Krankenkassen als eigenständige Krankheit anerkannt. Die Kosten für ambulante und stationäre Rehabilitationsmaßnahmen werden seitdem von den jeweiligen Kostenträgern übernommen (DHS 2013c).

Was es bedeutet, mit einer glücksspielsüchtigen Person zusammenzuleben, können Angehörige am besten beschreiben: Sie fühlen sich nicht mehr wahrgenommen, für die abhängige Person steht das Glücksspiel über allem. Jeder Cent, jeder Euro wird zur Spielbank getragen, in den Geldspielautomaten gesteckt oder bei Sportwetten verzockt. Häufig fehlt z.B. das Geld für Essen, Miete oder die Klassenfahrt der Kinder.

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Ursachen und Entstehung

Die Entstehung einer Glücksspielsucht ist ein Prozess, der sich in der Regel über mehrere Jahre erstreckt. Nach dem sog. Trias-Modell spielen hierbei Merkmale der Person (z.B. Selbstwertproblematik), der sozialen Umwelt (z.B. Einstellung der Gesellschaft zu Glücksspielen) und des Glücksspiels (z.B. schnelle Spielabfolge, Beinahe-Gewinne und hohe Gewinnaussichten) eine Rolle.

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Suchtpotenzial von Glücksspielen

Suchtpotenzial

  • Sehr hohe Verfügbarkeit durch hohe Verbreitungsdichte (Spielhallen und Gastronomie),
  • Variabilität der Einsatz- und Gewinnmöglichkeiten erhöht die Spannung und den Reiz,
  • hohe Ereignisfrequenz durch schnellen Ablauf einzelner Spielrunden lässt die Verluste vergessen,
  • mögliche Gewinnhöhe attraktiv,
  • programmierte, häufige Beinahe-Gewinne vermitteln das Gefühl, kurz vor dem Gewinn zu stehen,
  • scheinbar aktive Einbindung der spielenden Person durch die eigentlich wirkungslose Stopp-Taste (Kontrollillusion),
  • ablenkende Farb-, Ton- und Lichteffekte der Automaten.
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Anzahl der problematisch und pathologisch Glücksspielenden

Die Gesamtzahl der Menschen mit einem problematischen Glücksspielverhalten im Alter zwischen 16 und 65 Jahren betrug im Jahr 2013 bundesweit etwa 362.000 Personen (BZgA 2014). Dies entspricht einer Prävalenzrate von 0,68%. 436.000 Personen (0,82%) wurden als Pathologisch Glücksspielende eingestuft. Männer sind etwa fünf Mal häufiger von einer Glücksspielsucht betroffen als Frauen. 18- bis 20-jährige Männer sind die am stärksten mit glücksspielbezogenen Problemen belastete Bevölkerungsgruppe. Demnach zeigten 9,2% ein problematisches oder pathologisches Glücksspielverhalten (BZgA 2014). Eine Studie zur Verbreitung des Konsum von Glücksspielen unter Kindern und Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen im Alter zwischen 12 und 19 Jahren kam zu dem Ergebnis, dass 1.7% der Jugendlichen Merkmale einer problematischen Glücksspielnutzung aufweisen, weitere 3,5% wurden als gefährdete Nutzerinnen und Nutzer klassifiziert. Differenziert nach Geschlecht handelt es sich bei 2,9 aller befragten Jungen und 0,5% der befragten Mädchen um problematisch glücksspielende Jugendliche (MGEPA 2014).


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Beratung und Behandlung - Leben ohne Glücksspiel

Viele problematisch oder pathologisch Glücksspielende versuchen zunächst, allein vom Glücksspiel loszukommen. Glücksspiele zu spielen ist keine Kunst, aber Aufhören ist eine: Pathologisch Glücksspielende träumen vom Siegen. Diese Traumwelt zerbricht, wenn sie aufhören zu spielen. Nun gilt es zu lernen, dass das Leben auch ohne unrealistische Träume erträglich ist. Die Realisierung der persönlichen und finanziellen Verluste ist schmerzhaft. Diese Konfrontation ist aber der richtige Schritt aus der falschen Hoffnung, immer weiter siegen zu wollen.

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