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Hirndoping

Hirndoping beschreibt den Ge- bzw. Missbrauch psychoaktiver Substanzen gesunder Menschen mit dem Ziel der Verbesserung der eigenen kognitiven Leistungsfähigkeit (z.B. Vigilanz, Konzentration, Gedächtnis, Stimmung).
Hirndoping stellt folglich den Versuch gesunder Menschen dar, die Leistungsfähigkeit des Gehirns sowie die emotionale und soziale Kompetenz durch die Einnahme bestimmter Medikamente/chemischer Substanzen über das normale, nicht krankhaft veränderte Maß hinaus zu verbessern (vgl. Lieb 2010; DAK 2009).

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Alternativen zur Steigerung der kognitiven Leistungsfähigkeit

  • Ausreichend Schlaf, kurze, bewusste Schlafphasen (sog. Power-Napping),
  • Entspannungsmethoden wie autogenes Training, Yoga, Meditation,
  • Denksport und Gedächtnistrainings,
  • gutes Zeitmanagement (Prioritäten setzen),
  • regelmäßige kurze Pausen während intensiver Arbeitsphasen,
  • gute Organisation des Arbeitsplatzes (geordnete Ablage, Ordnung auf dem Schreibtisch etc.) und
  • regelmäßiger Sport zur Steigerung der Belastungsfähigkeit in Stresssituationen und zur Vorbeugung und Linderung depressiver Verstimmungen.

Abhängigkeitspotenzial

Die im Zusammenhang mit Hirndoping verwendeten stimulierenden Wirkstoffe Methylphenidat und Modafinil weisen ein hohes psychisches Abhängigkeitspotenzial (Suchtrisiko) auf. Die Einnahme dieser Präparate kann sehr schnell zu einer psychischen Abhängigkeit führen. Darüber hinaus besteht bei längerer, nicht bestimmungsgemäßer Anwendung die Gefahr, dass sich die psychische Abhängigkeit auf andere Stoffe ausweitet. Vor diesem Hintergrund werden Methylphenidat und Modafinil als hochproblematisch für die Anwendung außerhalb ihrer zugelassenen Indikationen beurteilt (Kipke et al. 2011). Die zum Hirndoping missbrauchten Medikamente wirken bei Gesunden nachweislich nicht leistungssteigernd oder stimmungsaufhellend, weisen zahlreiche unerwünschte Wirkungen auf und können zum Teil psychische Abhängigkeiten bzw. Absetzprobleme hervorrufen.


Zahlen zum Konsum

Eine repräsentative Umfrage der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) im Jahr 2014 bei 5.000 Arbeitnehmerinnen und -nehmern im Alter zwischen 20 und 50 Jahren ergab, dass 6,7% der Befragten (hochgerechnet drei Mio. Personen bei rund 40 Mio. Beschäftigten) als Gesunde schon einmal leistungssteigernde oder stimmungsaufhellende Medikamente eingenommen haben. Das ist eine Zunahme von 2% gegenüber der Erstbefragung im Jahr 2008.

1,9% der Befragten (ca. 1 Mio. Beschäftigte) gaben an, regelmäßig, d.h. zweimal im Monat und häufiger, leistungssteigernde Mittel einzunehmen. Die Dunkelziffer wird mit 3,5% angegeben (DAK 2015).
Jeder zehnte Mann hatte bereits einmal Medikamente zur Leistungssteigerung oder Verbesserung der psychischen Befindlichkeit - und häufig ohne medizinische Indikation - eingenommen, jedoch nur jede vierte Frau (DAK 2015, DAK 2009). 40% der Nutzenden nehmen die Mittel vor bestimmten Anlässen wie z.B. Prüfungen, Präsentationen und wichtigen Verhandlungen ein. Darüber hinaus versuchen Männer damit vor allem, berufliche Ziele noch besser zu erreichen, wohingegen Frauen die Mittel einnehmen, damit ihnen die Arbeit leichter von der Hand geht und sie emotional stabiler sind, um den Arbeitsdruck standzuhalten (DAK 2015). Insgesamt nahmen mehr an- und ungelernte Beschäftigte leistungssteigernde Mittel ein als Hochqualifizierte.
Über 50% bekommen das Rezept für entsprechende Medikamente vom Arzt bzw. der Ärztin, 8,5% über das Internet!



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