Landes­koordinierungs­stellefür Sucht­vorbeugungin NRW

Kontrast

Dialogveranstaltung "Immer online – Spiel oder Störung? Suchtprävention zwischen Medienkonsum und gaming disorder"

20.11.2018RN

Am 19. November fand in der SRH Hochschule Hamm die Dialogveranstaltung "Immer online – Spiel oder Störung? Suchtprävention zwischen Medienkonsum und gaming disorder" statt in Kooperation mit der JugendSuchtBeratung Hamm und der update Fachstelle für Suchtvorbeugung Caritas und Diakonie Bonn. Thema der Veranstaltung war es, Begrifflichkeiten zu klären und Grenzbereiche wie Cybermobbing, Online-Glücksspiel und Medienerziehung zu identifizieren. Damit verbunden stellte sich die Frage nach bestehenden Strukturen, Zuständigkeiten und Vernetzung mit Akteuren wie z.B. Polizei, Jugendschutz, Medienverbänden und Beratungsstellen.

In seinem Vortrag "Mediennutzung: Begriffsbestimmung und Bedarf für Prävention und Behandlung" ging Dr. Hans-Jürgen Rumpf, Universitätsklinikum Lübeck, auf den gesellschaftlichen Wandel der Mediennutzung ein und die Formulierung der neuen Diagnose "gaming disorder" im ICD 11. Der Bereich "Online gaming" bzw. "Videospiel" ist bisher am meisten erforscht und auch der Aufbau solcher bei Jugendlichen beliebten Spiele weist Strukturen auf, die eine Suchtentwicklung begünstigen. Dazu zählen vor allem die intermittierenden Belohnungen, das „Anfixen“ für In-App-Käufe sowie negative Konsequenzen bei längeren Spielpausen.

Der Oberbegriff "internetbezogene Störungen" mit der bereits benannten Kategorie "gaming disorder" kann möglicherweise um die Störungsbilder "exzessive Nutzung sozialer Netzwerke" und "Pornografie im Netz" ergänzt werden. Dazu fehlen aber noch weitere Studien, vor allem Längsschnittstudien.

Dem Vortrag folgten zwei Themenblöcke mit den Schwerpunkten Prävention und Beratung.

Andreas Pauly, update Fachstelle für Suchtvorbeugung Caritas und Diakonie Bonn, der das bundesweite Peer-Projekt Net-Piloten leitet, berichtete über Angebote der allgemeinen Medienerziehung und Abgrenzung zur Prävention bei exzessivem Medienkonsum. Dabei ging er auch auf die Vernetzung mit örtlichen Strukturen ein, die meist in Form von Medienzentren oder Medienscouts vorhanden sind und das Thema Medienpädagogik abdecken, nicht aber den Bereich der Prävention des exzessiven Medienkonsums.

David Szymura von der JugendSuchtBeratung Hamm, der im Rahmen des Programms Interface Extended Präventionsveranstaltungen und Beratung anbietet, zeigte die Bedarfe, Zielgruppen und Zugänge für die Beratung und Abgrenzung zur Behandlung auf. Oftmals sind es besorgte Eltern, die wegen des Online-Spielverhaltens ihrer Kinder die Beratungsstelle aufsuchen. Sowohl ihre Sicht der Problematik als auch die Sicht der Kinder bzw. Jugendlichen gilt es im systemischen Beratungsansatz zu berücksichtigen.

Weiter ging es mit einem Podiumsgespräch, bei dem Rolle und Aufgaben der Suchtprävention und Beratung im Themenfeld „exzessiver Medienkonsum“ im Mittelpunkt standen. Daraus ging deutlich hervor, dass die Suchtprävention und Suchtberatungsstellen wichtige Akteure sind, die einerseits präventive Angebote zu Förderung von Lebenskompetenzen umsetzen und andererseits als Anlaufstellen für frühe Interventionen zur Verfügung stehen.

In den folgenden Arbeitsgruppen diskutierten die Teilnehmer/innen zu

  • "Chancen und Grenzen der Digitalität. Versuch, eine digitale Haltung zu prägen und den Blick auf neue Denk-räume zu richten" mit Benjamin Wockenfuß, DigiKids,
  • "Methoden und Formen der Beratung" mit Ulrike Weihrauch, Jugendberatung der ginko Stiftung für Prävention,
  • "Online-MOVE als Gesprächsangebot und Zugangsweg" mit Angelika Fiedler, ginko Stiftung für Prävention sowie
  • "Mit Eltern und Jugendlichen ins Gespräch kommen" mit Janina Kollmeier, Fachstelle für Suchtvorbeugung, Diakonisches Werk Herford.

Im Nachgang der Veranstaltung steht die Erstellung eines Positionspapiers an, in dem u.a. die Begrifflichkeiten sowie die Strukturen und Zuständigkeiten für Prävention, Beratung und Therapie in NRW dargestellt werden.

 


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