Landes­koordinierungs­stellefür Sucht­vorbeugungin NRW

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Sucht mit und ohne Suchtmittel - Hintergründe

Der Konsum von Suchtmitteln gehört zu unserer Gesellschaft. Alle Menschen konsumieren Suchtmittel – eine Tasse Kaffee zum Wachwerden oder ein Glas Wein zur Entspannung – ohne dadurch Gefahr zu laufen, eine Abhängigkeit zu entwickeln. Bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen kann sich jedoch aus dem bloßen Konsum eine Abhängigkeit entwickeln.

Da nicht jede Sucht mit der Einnahme von Suchtmitteln (z.B. Alkohol, Tabak) verbunden ist, wird zwischen stoffgebundenen und stoffungebundenen oder sog. Verhaltenssüchten (z.B. Glücksspiel­sucht) unterschieden. Bei einer Verhaltenssucht besteht eine Abhängigkeit von bestimmten Verhaltensweisen, die die betroffenen Menschen nicht mehr willentlich kontrollieren können.

Allein in Nordrhein-Westfalen gibt es nach qualifizierten Schätzungen mehr als vier Millionen suchtkranke Menschen:

Tabakabhängige:   ca. 2,9 Mio.  davon ca. 70% männlich und 30% weiblich
Alkoholabhängige:   ca. 400.000 davon ca. 70% männlich und 30% weiblich
Medikamentenabhängige:   ca. 300.000 davon ca. 40% männlich und 60% weiblich
Abhängige illegaler Drogen: ca. 31.000 davon ca. 70% männlich und 30% weiblich
Menschen mit Essstörungen ca. 400.000 überwiegend Frauen
Pathologisch Glücksspielende Menschen:  ca. 40.000 überwiegend Männer

(MGEPA 2014)

Körperliche und seelische Abhängigkeit

Sucht ist durch eine körperliche (physische) und/oder seelische (psychische) Abhängigkeit gekennzeichnet. Sucht ist eine Krankheit. Die Begriffe Sucht und Abhängigkeitserkrankung werden synonym verwendet.
Eine Abhängigkeitserkrankung entsteht dadurch, dass durch Einnahme eines Suchtmittels oder durch ein bestimmtes Verhalten das "Belohnungssystems" im Gehirn aktiviert wird, das durch Ausschüttung bestimmter körpereigener Stoffe bei den Betroffenen positive Empfindungen und Gefühle auslöst. Sie ist gekennzeichnet durch das unbezwingbare, sehr starke Verlangen nach der auslösenden Triebkraft. Um die gleiche positive Wirkung zu erzielen, muss dessen "Menge" kontinuierlich erhöht werden. Beim Reduzieren oder Absetzen treten Entzugserscheinungen wie z.B. Unruhe, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Schweißausbrüche, Angstzustände, Reizbarkeit, depressive Verstimmungen auf.

Nach den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichten Kriterien besteht eine Abhängigkeitserkrankung, wenn drei der unten aufgeführten sechs Merkmale gleichzeitig vorliegen:

  • Unüberwindbares Verlangen nach  einer bestimmten Substanz oder Verhaltensweise.
  • Kontrollverlust bezüglich Menge und Dauer der konsumierten Substanz bzw. der Verhaltensweise.
  • Entzugserscheinungen beim Absetzen bzw. Verzicht.
  • Toleranzentwicklung (Dosissteigerung oder Wirkungsverlust).
  • Aufgabe bisheriger Interessen und Aktivitäten.
  • Fortdauernder Konsum trotz negativer sozialer und gesundheitlicher Folgen.
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Stadien der Abhängigkeitserkrankung

Die Entwicklung einer Abhängigkeitserkrankung ist ein schleichender Prozess. Er beginnt mit einer zunehmenden Einschränkung der Kontrolle über den Konsum des Suchtmittels oder eine bestimmten Verhaltensweise und endet beim Kontrollverlust. Das heißt, das Verlangen nach dem positiven Reiz ("Kick") bzw. das Vermeiden von negativen Empfindungen und/oder Entzugserscheinungen wird so mächtig, dass man sich ihm nicht mehr entziehen kann. Nach und nach wirkt der für die Auslösung dieses Kicks notwendige Reiz - etwa die Menge des konsumierten Alkohols oder Heroins oder aber das Spielen am Geldspielautomaten - nicht mehr intensiv genug. Die "Dosis" muss erhöht werden. Die Konsumabstände werden verkürzt und die Konsummenge wird gesteigert.

Das Leben konzentriert sich immer mehr auf den die positive Empfindung auslösenden Stimulus. Andere Interessen treten zurück, das Auslösen dieses Reizes wird immer wichtiger. Gesellschaftlicher Abstieg verbunden mit Verlust von Partnerschaft oder Familie sowie soziale Isolation können Folgen sein.


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Sucht hat immer eine Geschichte - Ursachen und Entstehung

Sucht hat nie eine einzige Ursache: Die Person (z.B. Geschlecht und Alter) sowie das soziale und familiäre Umfeld (z.B. Kultur, Religion), in der ein Mensch aufgewachsen ist oder lebt, entscheiden mit darüber, ob einer Suchtgefährdung besteht oder nicht. Das Zusammentreffen unterschiedlicher Einflussfaktoren (z.B. traumatisierende Erlebnisse oder Erfahrungen) kann das Suchtrisiko erhöhen.

Wer gelernt hat, Probleme unterschiedlicher Art und Schwere zu bewältigen, ist grundsätzlich weniger suchtgefährdet.

Ursachen und Entstehung

Bereits Kinder und Jugendliche können hohen seelischen Belastungen durch die Anforderungen in Schule und Elternhaus oder den Gruppendruck in der Clique ausgesetzt sein.
Den meisten Jugendlichen gelingt es, Enttäuschungen auszuhalten, Rückschläge hinzunehmen und eigene Bewältigungsstrategien zu entwickeln, Probleme auch ohne den Einsatz von Suchtmitteln oder bestimmten suchtfördernden Verhaltensweisen zu lösen.

Wenn Kinder nicht schon frühzeitig gelernt haben, Konflikte selbst zu lösen oder im Bedarfsfall Rat und Hilfe bei ihnen vertrauten Menschen zu holen, geraten sie in Gefahr, die für das eigene Wohlbefinden notwendige Entlastung beispielsweise im Konsum von Suchtmitteln zu suchen.
Auch Menschen aus dem unmittelbaren persönlichen Umfeld, zum Beispiel Eltern oder Freunde, haben Einfluss auf die Entstehung von Abhängigkeitserkrankungen. Sie können durch ihr Verhalten sowohl positive als auch negative "Vorbilder" sein.


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Maßnahmen zur Prävention - Elterliches Vorbild - Wege aus der Abhängigkeit

Suchtvorbeugung muss in der frühen Kindheit beginnen. Hier entwickeln sich Selbstwertgefühl, Konfliktfähigkeit, soziale Kompetenz und eigenverantwortliches Handeln. Schon Kinder können Problemlösungsstrategien lernen, die es ihnen erleichtern, ihr Leben aktiv und selbstbestimmt zu gestalten. So gestärkt, können sie später einer Suchtgefahr besser widerstehen.
Suchtvorbeugung heißt daher auch, Selbstständigkeit, Selbstachtung, Selbstfindung und Lebensfreude bei Kindern zu fördern und Kommunikations- und Konfliktfähigkeit zu stärken. Die Stärkung der Persönlichkeit ist somit zentrales Anliegen suchtvorbeugender Arbeit, damit Kinder und Jugendliche auch in schwierigen Lebenssituationen eigenständig entscheiden können, „Nein“ zu sagen und Verantwortung (für sich und ihr Handeln) zu übernehmen.

Elterliches Vorbild

Eltern sollten

  • ihren eigenen Umgang mit Suchtmitteln (z.B. Alkohol, Tabak oder psychoaktive Medikamente) kritisch hinterfragen,
  • ihr eigenes Verhalten im Hinblick auf eine Suchtgefährdung überprüfen und
  • mit ihrem Kind oder ihren Kindern offen über Süchte und Suchtgefahren sprechen.

Kinder und Jugendliche sollten wissen,

  • wie es zu einer Abhängigkeitserkrankung kommen kann,
  • wie Suchtmittel wirken und wie schädlich sie sein können und
  • welche Risiken mit dem Konsum von Suchtmitteln verbunden sind.

Wege aus der Abhängigkeit

Neben Maßnahmen zur Verhinderung der Entstehung einer Abhängigkeitserkrankung bedarf es auch Strategien, die dabei helfen, eine Abhängigkeit zu überwinden. 
Die Erkenntnis "Ich bin süchtig. Ich will so nicht weitermachen. Ich brauche Hilfe." ist ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg aus der Abhängigkeit. Sie ist Ausdruck der Bereitschaft, Hilfe anzunehmen und - häufig erstmals - offen über das Suchtproblem mit Fachleuten zu reden.

Zahlreiche Suchtberatungsstellen in Nordrhein-Westfalen bieten Unterstützung und klären gemeinsam mit dem/der Betroffenen die weiteren Schritte der Behandlung.



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