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Geschätzte 3300 Todesfälle durch Passivrauchen jährlich in Deutschland

Neue Studie des Deutschen Krebforschungszentrums

Diese Studie wurde
bereits vorgestellt im
Transfer Newsletter Nr. 17

 

Quelle

Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.): Passivrauchen – ein unterschätztes Gesundheitsrisiko, Heidelberg, 2005.
 

Beschreibung

Erstmals berechneten die Epidemiologen Professor Dr. Ulrich Keil von der Universität Münster und Professor Dr. Heiko Becher von der Universität Heidelberg anhand von Metaanalysen. Die Anzahl der Menschen, die jährlich durch das Passivrauchen zu Schaden kommen. Demnach sterben jährlich schätzungsweise 2140 Nichtraucher an einer koronaren Herzkrankheit, 770 an einem Schlaganfall, 260 an Lungenkrebs und 50 an chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen. Durch Passivrauchen im Haushalt und vorgeburt-liche Schadstoffbelastung sterben weiterhin etwa 60 Säuglinge.
Nach Einschätzungen der Wissenschaftler werden über 170.000 Neugeborene jährlich bereits im Mutterleib den Schadstoffen des Tabakrauchs ausgesetzt. Die Hälfte aller Kinder unter sechs Jahren und etwa zwei Drittel aller Sechs- bis Dreizehnjährigen leben in einem Haushalt, in dem mindestens eine Person raucht. Schätzungsweise über acht Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren leben in einem Haushalt mit mindestens einem Raucher. In der Erwachsenenbevölkerung werden mehr als 35 Millionen Nichtraucher zu Hause, am Arbeitsplatz, in ihrer Freizeit oder gleichzeitig an mehreren dieser Orte häufig mit den Schadstoffen des Passiv-rauchens belastet. Allein am Arbeitsplatz sind noch immer etwa 8,5 Millionen nichtrauchende Erwerbstätige dem Passivrauchen ausgesetzt.
Datenbasis für Angaben zum Ausmaß des Rauchens und Passivrauchens in der deutschen Bevölkerung ist der Bundesgesundheitssurvey 1998 des Robert Koch Instituts. Ob eine Exposition durch Passivrauch vorliegt, wurde hier über die Frage „Halten Sie sich tagsüber oder abends häufiger in Räumen auf, in denen geraucht wird?“ erhoben.
Tabakrauch ist der bedeutendste und gefährlichste vermeidbare Innenraumschadstoff und die führende Ursache von Luftverschmutzung in Innenräumen. Dr. Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum fordert angesichts der vorgelegten Ergebnisse ein Bundesgesetz zum umfassenden Nichtraucherschutz in öffentlichen Räumen, das auch die Gastronomie erfasst. Eine Informationskampagne zu den Gefahren des Passivrauchens könne ebenso dazu beitragen, die Zahl der durch Passivrauch erkrankten Menschen zu verringern.
Die Studie mit ausführlichen Angaben zur angewendeten Methodik kann im Internet unter http://www.tabakkontrolle.de/pdf/passiv rauchen_Band_5.pdf abgerufen werden.

 

Autoren

Anja Meurer,
ginko, Mülheim an der Ruhr