Bericht des nationalen REITOX-Knotenpunkts an die EBDD
Quelle
Simon, R., David-Spickermann, M., Farke, W. (2005) Bericht des nationalen REITOX-Knotenpunkts an die EBDD
http://www.dbdd.de/home.htm
Beschreibung
Die vorliegende Bericht vom November 2005 beschreibt die Drogensituation in Deutschland im Jahr 2004. Er wurde von Mitarbeitern der Deutschen Referenzstelle für die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD) verfasst, in der das Institut für Therapieforschung (IFT), die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen zusammenarbeiten.
Im Bereich „nationale Politik“ wird auf die aktuell im Mittelpunkt stehende substanzübergreifende Suchtpolitik verwiesen, die isolierte Drogenkonzepte abgelöst hat. Die Einführung einer Sondersteuer auf „Alkopops“ und die Erhöhung der Tabaksteuer konnten den Konsum der jeweiligen Substanzen reduzieren. Die zentrale Seite „drugcom“ wurde mit 200.000 Zugriffen etwa 25% häufiger genutzt als noch im Vorjahr.
Im Jahr 2004 starben in Deutschland 1.385 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums. Dies entspricht einem leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr und einem deutlichen Rückgang um etwa ein Drittel gegenüber dem letzten Höchstwert von 2.030 im Jahr 2000.
Berechnungen zur Anzahl der Drogenkonsumenten mitproblematischem Konsumverhalten von Drogen auf der Basis von Zahlen aus Behandlung, Polizeikontakten und Drogentoten ergaben im Bezug auf Heroin eine Schätzung zwischen 70.000 und 172.000 Personen. Der Trend in den letzten 3 Jahren ist dabei stabil bis rückläufig. Schätzungen, die auch Konsumenten mit kokain- und amphetaminbezogen Störungen einbeziehen, liegen mit 137.000 - 221.000 Fällen, etwas höher als im Vorjahr.
Mehr als 200.000 Delikte im Zusammenhang mit Rauschgiftkonsum – also keine Handelsdelikte - wurden im Jahr 2004 erfasst, etwa 13% mehr als im Vorjahr. Die Zahl der polizeilich erstmals auffälligen Rauschgiftkonsumenten (ohne Cannabis) ist um etwa 18% gegenüber 2003 auf 21.100 gestiegen.
Drogen sind in ganz Deutschland relativ leicht verfügbar. In der Wahrnehmung von Personen ohne Drogenerfahrung hat sich die Verfügbarkeit in alten und neuen Bundesländern inzwischen weitgehend angeglichen und ist zudem in den letzten 10 Jahren deutlich gestiegen. Während 1993 35% der Jugendlichen und jungen Erwachsenen berichteten, mindestens einmal Drogen angeboten bekommen zu haben, waren dies 2004 49%. In 89% der Fälle handelte es sich dabei um Cannabis. Die Beschlagnahmungen zeigen zudem eine deutliche Zunahme bei Amphetaminen und Rauschpilzen.
Der Bericht geht in diesem Jahr besonders auf geschlechtsspezifische Aspekte ein. Er stellt fest, dass Frauen deutlich weniger von Drogenproblemen betroffen sind als Männer. Der Frauenanteil von rund 25% in den Betreuungsangeboten entspricht in etwa ihrem Anteil an den Personen mit problematischem Drogenkonsum. Allerdings ist ihre Quote in stationärer Behandlung deutlich niedriger als im ambulanten Setting, was eventuell auf einen erschwerten Zugang zu diesen Angeboten hinweist. Genderspezifische Konzepte in Prävention und Behandlung werden zunehmend eingesetzt.
Der gesamte Bericht ist online
http://www.dbdd.de/home.htm verfügbar.
Autoren
Anja Meurer,
ginko, Mülheim an der Ruhr