Die Cannabis-Diskussion aus der Perspektive von Prävention und Suchthilfe
Quelle
Gaßmann, R. (2005) Die Cannabis-Diskussion aus der Perspektive von Prävention und Suchthilfe. In: Suchttherapie 6, 97-101.
Beschreibung
Innerhalb der Diskussion um Cannabiskonsum in Deutschland werden immer noch lautstark Extrempositionen vertreten, so die Auffassung des Autors, der zugleich Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen ist.
Cannabis werde von der großen Mehrheit der jungen Erwachsenen maßvoll gehandhabt, doch gäbe es eine prozentual zwar geringe, absolut jedoch große Zahl an vorwiegend jungen Männern mit frühem Einstiegsalter, bei denen der Konsum mit einer Vielzahl von Problemen einherginge.
Gaßmann fordert für die „Herausforderung Cannabis“ differenzierte Anworten und ein kontinuierliches Engagement in dreifacher Hinsicht:
- Im Bereich der Prävention müsse – ähnlich wie beim Alkohol – die Erfahrung mit der Droge Cannabis bei Jugendlichen vorausgesetzt werden. Jeglichen Konsum von Cannabis als hochriskantes Verhalten einzustufen, so Gassmann, senkt die Glaubwürdigkeit von Prävention gegen Null, da prozentual nur wenige junge Menschen negative Erfahrungen mit der Substanz machen. Cannabisprävention sollte mehr in Übereinstimmung mit den Konsumrealitäten geplant und durchgeführt werden. Gaßmann empfiehlt eine kontinuierliche, flächendeckende und multimediale Ansprache der jugendlichen Zielgruppe und nennt als Beispiel die Kampagne zur HIV-Prävention der BZgA.
- Hinsichtlich der Therapie von Jugendlichen mit Cannabis spezifischen Problemen fordert der Autor mehr Angebote, die dem Gender Mainstreaming verpflichtet sind sowie eine intensive Kooperation von Sucht- und Jugendhilfe eine verbesserte Diagnostik und eine differenzierte Behandlung. Und auch wenn die Frage nach den Kriterien für einen riskanten Cannabiskonsum beantwortet ist, so fehlen doch Studien, die einen Erfolg versprechenden beratenden und therapeutischen Zugang zu diesen Konsumenten aufzeigen.
- Das Thema Repression betreffend führt Gaßmann aus, dass national wie international keine Hinweise auf positive Auswirkungen des Cannabisverbots zu finden sind. Im Gegenteil zeigt sich in Ländern mit einer liberalen Cannabis-Politik, wie in den Niederlanden, mit 24% eine deutlich geringere Lebenszeit-Prävalenz als beispielsweise in den USA (36,5%).
Die Politik, so die Forderung des Autors, müsse sich im Umgang mit Cannabis auf Erkenntnisse und nicht auf Glaubenssätze stützen. Gaßmann favorisiert den britischen Weg: die Einstufung des Cannabisbesitzes zum Eigenkonsum als bußgeldorientierte Ordnungswidrigkeit.
Abschließend weist der Autor auf eine fehlende Ursachenanalyse hin. So wisse man zwar, dass der Cannabiskonsum mit dem Wunsch nach Entspannung, Beruhigung, Angstbewältigung und dem Vergnügen am Rausch einhergehe. Man könne aber nicht beantworten, warum diese Motive für Jugendliche derart reizvoll erscheinen.
Autoren
Anja Meurer,
ginko, Mülheim an der Ruhr